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Details zur Entwicklung und Aufbau des Staustrahltriebwerks
Die Wirkungsweise eines Schubrohres ist sehr einfach. Jeder wird den
folgenden Versuch schon im Physikunterricht gesehen haben. Man nehme
eine Teströhre, schütte einen oder zwei Tropfen Treibstoff hinein,
schüttle sie und zünde sie an. Der Treibstoff wird nicht gleichmäßig
abbrennen, sondern in pulsierenden Stößen. Dies grundsätzliche Phänomen
war schon seit 1906 bekannt, als ein Konstrukteur namens Karavodine
ein einfaches pulsierendes Schubrohr gebaut und betrieben hatte.
Zwischen 1928 und 1930 hatte der junge deutsche Ingenieur Paul
Schmidt, Fachmann für Strömungslehre, mit einem pulsierenden
Schubrohr experimentiert. Es war ein einfaches offenes Rohr mit
federnden Ventilklappen. Ein Zündgemisch von Kraftstoff und Luft
wurde eingespritzt, und die Mischung durch eine Zündkerze gezündet.
Die sich ausdehnenden Gase schlossen die Ventilklappen, wurden in der
Röhre geschleunigt und erzeugten so den Rückstoß. Hatten die Gase
das Rohr verlassen, entstand am Einlaßteil des Rohres eine Zone
niedrigen Druckes. Die Ventilklappen öffneten sich, und ein frisches
Kraftstoff-Luftgemisch strömte ein. Dieser Vorgang wiederholte sich
in einer Geschwindigkeit, die weitgehend von der
Resonanzgeschwindigkeit des Rohres bestimmt wurde.
Als 1939 die Argus-Motorenwerke den Auftrag erhielten ein
Schubrohrtriebwerk zu bauen, begann man ganz von vorn.
Eigenartigerweise war niemand bei Argus mit den Entwicklungen von
Schmidt vertraut. Das erste Versuchsmodell arbeitete mit einem
ziemlich komplizierten Rückstromsystem, welches nicht sehr
befriedigte. Das zweite Triebwerk wurde am 13. November 1939
erprobt und erwies sich als vielversprechend. Es hatte sehr gleichmäßige
Schwingungen und zeigte die merkwürdige Eigenschaft der pulsierenden
Schubrohrtriebwerke, daß sie Eigenzündungen auslöste. Diese ersten
pulsierenden (oder auch intermittierenden) Triebwerke hatten keine
beweglichen mechanischen Teile. Das Strömungsverhalten der sich
ausdehnenden Gase wurde nur durch die Form der Brennkammer bestimmt.
Ihnen folgte eine dritte Version, die -wie der Entwurf von Schmidt-
Federklappenventile besaß. Dieses bestand jedoch aus zwei Kammern,
einer Misch- und einer Brennkammer. Die dazwischenliegende Verengung
sollte die verbrennenden und sich damit ausdehnenden Gase am Zurückschlagen
auf die Ventilklappen hindern.
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1)
2)
3)
4)
5)
6) |
Lufteintritt
Treibstoffzufuhr
Klappenventil
Mischkammer
Zündkerze
Brennkammer |
Schema des dritten Argus - Schubrohrtriebwerks
Der dritte Prototyp erfüllte die Erwartungen zufriedenstellend. Seit
dem Entwicklungsbeginn waren bis dahin nur drei Monate vergangen. Zu
diesem Zeitpunkt erinnerte man sich an Dr. Paul Schmidt. Es
wurde eine Besprechung mit ihm und den Vertretern der Argus-Werke
anberaumt. Dabei stellte sich heraus, das die von Schmidt verwendeten
Federklappenventile widerstandsfähig genug waren, um auch in einem
glatten Strahlrohr verwendet zu werden.
Nach weiteren Tests und Weiterentwicklungen konnte Argus dem
Reichsluftfahrtministerium das Hochleistungstriebwerk Argus 014
präsentieren. Es bestand aus einer Stahlblechröhre von 3,60 m Länge.Nur
fünf Bauteile wurden benötigt:
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1)
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3)
4)
5) |
Lufteintritt mit
Verkleidung
Treibstoffeinspritzgitter
Klappenventil
Leitbleche
Strahlrohr |
Schema des Argus 014 - Schubrohrtriebwerks
Diese einfachen Triebwerke schienen zuverlässig und betriebssicher zu
sein. Die einzigen beweglichen Teile waren die Federklappenventile,
die aber unwirtschaftlich arbeiteten. Besonders der
Treibstoffverbrauch lang ziemlich hoch, der jedoch in gewissen Maße
durch die Verwendung von geringerwertigen Kraftstoff ausgeglichen
wurde.
Man konnte die Triebwerksleistung kaum beeinflussen. Nur durch Veränderung
des Kraftstoffdrucks war eine gewisse Regelung möglich. Der
Treibstoffbehälter wurde vor dem Start mit etwa sieben Atmosphären
Druck beschickt, die aus einem kugelförmigen Druckbehälter im Rumpf
gehalten wurden. Die Regelung des Einspritzdruckes des Treibstoffes mußte
für Start-, Steig- und Marschflug automatisch erfolgen. Dies wurde
durch einen Regler bewirkt, der einen Einspritzdruck von 1,2 bis 2,6 atü
-der Differenz zwischen Standlauf- und Startleistung- steuerte. Auch
Zwischenwerte für Steig- und Marschflug wurden von diesem
Kraftstoffregler wahrgenommen.

Details zur Erprobung der V 1
Während den zahlreichen Tests in Peenemünde wurden viele kleine
Fehler aufgedeckt. Eine Kinderkrankheit verursachte der Kompaß. Da
alle eisenhaltigen Materialien magnetische Eigenschaften haben und die
V 1 aus Stahlblech bestand, wurden während der Herstellung, vor
allem beim Vernieten und Hämmern, die Stabmoleküle magnetisch und
richteten sich auf das Erdmagnetfeld aus. Wird jetzt der Flugkörper
aus der ursprünglichen Position gebracht, richtet sich der Kompaß
nicht mehr nach magnetisch Nord aus, sondern nach dem objekteigenen
Magnetismus.Diesem Problem begegnete man auf eine sehr einfache Weise.
Nachdem der Flugkörper in der Stellung zusammengebaut und mit dem
Gefechtskopf fertig ausgerüstet worden war, wurde er parallel zum
Flugkurs ausgerichtet. Dann wurden die Teile des Rumpfes, die um den
Kompaß herum lagen, mit Holzschlegeln bearbeitet, um die
Molekularstruktur des Stahlbleches in Flugrichtung auszurichten.
Während man an diesen Fehlern arbeitete, wurde auch die Starttechnik
der V 1 weiterentwickelt. Der Standschub des Pulso-Schubrohres
reicht nicht aus, die V 1 ohne Zusatzhilfe zu starten. Der Start
erfolgte von 38 m langen Rampen aus. Diese bestanden aus einer
langen Röhre, denen über die ganze Länge an der Oberseite ein Spalt
eingeschnitten wurde. Darin gleitete ein, an einem Kolben befestigter,
Starthaken. An diesem wurde die V 1 befestigt. (siehe: Aufbau
der V 1) Diese Röhre arbeitete wie ein Dampfkatapult.
Hochgespannter Dampf wurde durch die heftige Reaktion beim Vermischen
von Wasserstoffsuperoxyd mit Kaliumpermanganat erzeugt. Der Dampf preßte
den Kolben durch die Röhre und riß die V 1 mit sich. Im
normalen Einsatz betrug die Startgeschwindigkeit der V 1 105 m/s.
Dabei wurden etwa 100 kg Wasserstoffsuperoxyd verbraucht.

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