Rheinmetall-BorsigRheinmetall-Borsig AG, Berlin-MarienfeldeBereits vor dem Kriege begannen bei der Rheinmetall-Borsig AG unter der Leitung von Direktor Klein und Dr. Vüllers Untersuchungen über Pulverraketen. Ausgehend von der richtigen Überlegung, daß der Pulververbrauch für große Geschütze fast gleich groß ist wie derjenige bei Pulverraketen gleicher Reichweite wurden die Entwicklungen während des Zweiten Weltkrieges intensiviert und führten zur Konstruktion einer ganzen Reihe von Fla- und Fernraketen ein- und mehrstufiger Bauart.Rheinmetall "Hecht"Erster Versuch einer Flugabwehr (Fla)-Rakete basierte auf der Gleitbombe K-1750 "Hecht", von der 1941 ein paar Versuchsmuster hergestellt wurden. Dieses Muster wurde zweimal geändert, dann aber wegen des Anlaufens der Hs 293 A-I-Serie gestrichen. Daraus entstand später die Fla-Rakete Fk »Hecht 2700«. Dieses Versuchsmuster wurde dann Grundlage der Fla-Rakete »Feuerlilie«, von der die Unterschallversion F 25 und die Überschallausführungen F 55, F 55 A und F 55 B abgeleitet wurden. Rheinmetall "Feuerlilie"Aus den Erfahrungen mit dem Projektil "Hecht" wurde zu Anfang des Krieges mit der Entwicklung der pulvergetriebenen "Feuerlilie" begonnen. Die Entwicklung erstreckte sich über die Unterschallversion "Feuerlilie 25" zur Überschallversion "Feuerlilie 55" bis zum Kriegsende.
"Feuerlilie 25"Von dieser Unterschallausführung wurden zwischen 1941 und 1943 etwa 30 Stück zu Versuchszwecken verschossen. "Feuerlilie 55"
Vergrößerte Weiterentwicklung in schwanzloser Ausführung und mit stärkerer
Flügelpfeilung für den Flug im Überschallbereich. Die Versuchsausführungen
besaßen einen Rheinmetall 109-515-Feststoff-Raketenmotor, der für 6
Sekunden Brennzeit einen Schub von 4000 kp abgab. Für die Serienausführung
war jedoch ein durch Alkohol und flüssigen Sauerstoff gespeister Flüssigkeitsraketenmotor
vorgesehen, der für 25 Sekunden Brennzeit einen Schub von 1000 kp
abgeben sollte. Der Sprengkopf der "Feuerlilie 55" faßte 140
kg Pulver. Der Start erfolgte wie bei der "Feuerlilie 25" von
einer Rampe unter einem Winkel von 60 bis 70°.
Rheinmetall "Rheintochter"1942/1943 wurde bei Rheinmetall-Borsig mit der Entwicklung leistungsstärkerer Mehrstufenraketen begonnen, so mit der zweistufigen "Rheintochter", die als Fla-Rakete die zur erfolgreichen Bekämpfung alliierter Bomber erforderliche Höhe erreichen konnte. Es existierten zwei verschiedene Versionen, von denen die Feststoff-getriebene "Rheintocher R l" noch zum kriegsmäßigen Versuchseinsatz kam.
"Rheintochter R l"Version, bei der beide Stufen durch Pulverraketensätze angetrieben wurden. Sie sollte später durch die leistungsfähigere "Rheintochter R 3" ersetzt werden. "Rheintochter R 3"
Diese Version, im Aufbau der "Rheintochter R 1" angeglichen,
unterschied sich hauptsächlich durch die neuartige
Triebwerkskombination zwischen Feststoff- und Flüssigkeits-Raketenmotor.
Rheinmetall "Rheinbote"
Aus den Erfahrungen mit der Zweistufen-Rakete »Rheintochter« wurde
1943/44 die vierstufige Fernrakete »Rheinbote« entwickelt, welche noch
im November 1944 in den kriegsmäßigen Einsatz gelangte und von denen
etwa 220 Stück gegen Antwerpen verschossen wurden. Die einzelnen Stufen
bestanden aus Feststoffraketen. Die eigentliche Startstufe wurde aus der
»Rheintochter« abgeleitet und besaß lediglich die Aufgabe, daß
Projektil aus dem Startschlitten zu heben. Die beiden ersten Stufen
fielen innerhalb von 10 km vom Abschußort ausgebrannt zu Boden. Dagegen
blieben die dritte und vierte Stufe bis zum Ziel miteinander verbunden.
Wenn auch dadurch die Vorteile des mehrstufigen Systems untergraben
wurden, so war diese Maßnahme gewählt worden, um die am Ziel
einschlagende Masse zu vergrößern. Der Kopf mit der Sprengladung wog
nur insgesamt 40 kg. Auf diese Weise ließ sich das Gewicht auf 140 kg
vergrößern.
Wenn diese Rakete mit 220 km Reichweite auch eine erfolgreiche Lösung
einer Fernrakete darstellte, blieb sie strategisch jedoch ohne jeden
Nutzen, denn die beförderte Sprengladung von 20 kg war viel zu gering.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||