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Kramer
Dr. Max Kramer, Ruhrstahl AG, Entwicklungsstelle Brackwede, Westfalen
1938 begann Dr. Max Kramer bei der DVL in Berlin-Adlershof mit
Untersuchungen über eine radiogesteuerte freifallende Bombe von 250 kg. Für
die Steuerung entwickelte er, bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland äußerst
unkonventionell, Spoiler in einem kreuzförmigen Leitwerk. 1940 wurden die
Arbeiten nach der Ruhrstahl A. G. in Brackwede verlegt und eine
Einsatzversion auf der Basis der panzerdurchdringenden Sprengbombe SD 1400
in Angriff genommen. Diese X-1 wurde eine der wenigen gesteuerten Flugkörper,
die im Zweiten Weltkrieg noch bei der deutschen Luftwaffe zum
Masseneinsatz kamen.
X-1 (Fritz X)
Die
hauptsächlich unter dem Namen Fritz X bekannt gewordene freifallende
Bombe war eine Ableitung aus der SD 1400-Sprengbombe, deren Kampfkopf
verwendet wurde. Sie diente hauptsächlich der gesteuerten Bekämpfung
gepanzerter Schiffseinheiten. Die Steuerung erfolgte über Spoiler im
kreuzförmigen Leitwerk. Eine ausreichende Rollstabilität wurde durch
vier Stummelflügel in flacher Kreuzform und durch Klappen in den
Steuerflächen gewährleistet. Die Leitwerksummantelung diente
gleichzeitig als Luftbremse zur Reduzierung der Fallgeschwindigkeit auf
280 m/sec und als Antennenträger. Die Erprobung der Fritz X begann im März/April
1942 im italienischen Foggia und konnte in weniger als vier Wochen
zufriedenstellend abgeschlossen werden, wenn sich auch zeigte, daß die
Abwurfhöhe mindestens 4000 m betragen mußte. Auch die anschließende
Erprobung im DVL-Hochgeschwindigkeitswindkanal zeigte ähnliche günstige
Ergebnisse, bei der bei 50 % aller Versuche von Abwürfen zwischen 4000
und 7000 m eine Zielfläche von 5 x 5 m getroffen wurde. Die Steuerung
erfolgte durch den Beobachter mittels eines kleinen Steuerknüppels
durch die sogenannte Zieldeckung - die Fritz X mußte also über die
ganze Phase des Falls so gesteuert werden, daß sie mit dem Ziel in
Deckung blieb. Anfang 1943 wurde die Großreihenfertigung aufgenommen.
Der erste Einsatz erfolgte am 29. August 1943 im Mittelmeerraum. Am 14.
September 1943 bereits konnte als größter Erfolg die Versenkung des
modernen italienischen Schlachtschiffes »Roma« durch drei Volltreffer
gebucht werden. Insgesamt sind die Erfolge mit der »Fritz X« als sehr
gut zu bezeichnen, wenn das Muster auch später einsatzmäßig hinter
der Hs 293 zurücktrat, weil mit der Hs 293, im Gegensatz zu der
freifallenden X-1, das Ziel nicht zu überflogen werden brauchte.
Ebenfalls hemmend auf den Einsatz der X-1 wirkte sich das Fehlen der als
Träger vorgesehenen Heinkel He 177 aus. Die spezielle Umrüstung der
Dornier Do 217 K-2 und M-11 blieb nur eine Ausweichlösung.
| Technische Daten: X-1
(Fritz X) |
| Klassifikation: |
steuerbare Fallbombe (Luft / Boden) |
| Antrieb: |
keiner |
| Treibstoff: |
keiner |
| Steuerung: |
- Radiolenkung mit Sender "Kehl I" (FuG 203 a) und
Empfänger "Straßburg" (FuG 230 a) auf UKW (48 - 50
MHz)
- analoge Steuerung für maximal 4 Fitz X
mit Sender "Kehl IV" (FuG 203 d)
- Drahtfernlenkung nach dem Zweidraht-System
"Düsseldorf / Detmold" (FuG 510 / 238)
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| Sprengkopf: |
zentraler Geschoßkopf aus einer
panzerdurchbrechender
SD-1400 Bombe |
X-2
Weiterentwicklung der X-1. Nur Versuchsmuster.
X-3
aus der SD 1400 aufgebaut, jedoch mit Stummelflügel in symmetrischer
Kreuzform und ebensolchem Leitwerk mit vier Spoilern. Diese Versuchsausführung,
die in der Steuerung der späteren X-4 entsprach, besaß durch die
angestrebte Eigenrotation um die Längsachse eine verbesserte
Kursstabilität.
X-4 (8-344)
Aus
den Erfahrungen mit den Mustern der X-Reihe, insbesondere mit der um die
eigene Achse rotierenden X-3 begann Dr. Kramer im April 1944 mit der
Konstruktion einer kleinen Luftkampfrakete, die speziell für die
Focke-Wulf Fw 190 vorgesehen war und zuerst unter der RLM-Bezeichnung
8-344 lief, später aber in das Bezeichnungssystem der X-Reihe
eingegliedert wurde. Die Konstruktion des Flüssigkeits-Raketenmotors
wurde BMW übertragen. Als Lenksystem wurde eine Drahtfernlenkung ausgewählt.
Nach anfänglichen Versuchen im Kühlraum und auf Dreh- und
Schleudervorrichtungen bekam das Gerät im Spätsommer 1944 die Freigabe für
die ersten Bodenstartversuche. Fünf erfolgreiche Bodenstarts erfolgten
auf dem Schießplatz in Bielefeld, danach ging die Erprobung von
Flugzeugen aus weiter. Zelle und Fernsteuerung der X-4 waren bei
Kriegsende serienreif. Dabei hatte sich gezeigt, daß die Drahtlenkung bis
zu einer Machzahl von M = 0,9 ausreichende Ergebnisse zeigte, jedoch bei höheren
Geschwindigkeiten durch eine Radiolenkung ersetzt werden mußte. Dagegen
zeigten sich Schwierigkeiten bei der Lagerung und Behandlung der Salpetersäure
des BMW-Triebwerkes. Deshalb sollte für die erste Serie der X-4 ein
Pulver-Raketentreibsatz Verwendung finden, der von Schmidding unter der
Bezeichnung 109-603 entwickelt worden war und aus einer gegossenen
Diglycol-Pulverladung bestand, die für acht Sekunden einen Schub von 150
kp abgab. Zu einem Einsatz einer der X-4 Ausführungen kam es nicht mehr.
| Technische Daten: X-4
(8-344) |
| Klassifikation: |
Luftkampfrakete (Luft / Luft) |
| Antrieb: |
BMW 109-548 Flüssigkeitsraketenmotor mit 140 kp
Schub (für 22 Sekunden) |
| Treibstoff: |
R-Stoff und SV-Stoff |
| Steuerung: |
Drahtlenkung mit 5500 m langem und 0,2 mm starken
isolierten Drähten |
| Sprengkopf: |
20 kg Sprengstoff (Aufschlagzünder / akustischer Zündkopf) |
X-5
Gesteuerte Fallbombe nach dem Prinzip der X-1 (Fritz X), jedoch mit 2500
kg Gewicht. Nur Versuchsmuster.
X-6
Weiterentwicklung der X-5 mit dem gleichen Gewicht.
X-7
1943
begann Dr. Kramer bei der DVL mit der Entwicklung einer weiteren Jägerrakete.
Im Laufe dieser Entwicklung entschied man sich dann aber, diese als X 7
bezeichnete Rakete mit 2,5 kg schwerer Hohlladung als Erdwaffe gegen
Panzer einzusetzen. Aber auch diese Entscheidung wurde wieder umgestoßen,
um 1944 die X 7 als Jägerrakete zum Beschuß von Erdzielen zu
verwenden. Die Entwicklung lief nun unter dem Namen X 7 "Rotkäppchen".
Sie ähnelte in der Form einer 15 cm-Granate mit Tragflächen und einem
nach unten gebogenen Leitwerksträger. Als Antrieb diente ein
Pulvertriebwerk WASAG 109-506. Die Steuerung erfolgte über Draht, ähnlich
wie bei X 4. Es wurden etwa 300 Stück bei Ruhrstahl in Brackwede und
den Mechanischen Werken in Neubrandenburg (Inh. Fritz Heber) gebaut.
Probeschüsse wurden mit einer Fw 190 F-8 durchgeführt. Zu einem
Truppeneinsatz kam es nicht. Als aber zurückgehende Truppenteile größere
Stückzahlen X 7 in der Aladin-Höhle bei Stolberg im Harz fanden, haben
sie die X 7 doch noch in irgendeiner Form zum Einsatz gebracht.
| Technische Daten: X-7 |
| Klassifikation: |
Panzerabwehrrakete (Luft / Boden) |
| Antrieb: |
WASAG 109-506-Zweistufen-Pulverakete
- Stufe: 69 kp Schub (nach 3 Sekunden 5 kp)
- Stufe 5 kp kontinuierlichen Schub (für 8 Sekunden)
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| Treibstoff: |
Diglykol (Feststofftreibsatz) |
| Steuerung: |
Drahtfernlenkung (ähnlich der X 4) |
| Sprengkopf: |
Hohlladungs-Kampfkopf mit 2,5 kg Sprengstoff |
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