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Gleichzeitig neben der Kramer X-1 Fallbombe konstruierte Prof. Wagner bei Henschel die ebenfalls zur Bekämpfung von Schiffszielen dienende Hs 293. Im Gegensatz zu der Kramer-Konstruktion legte Wagner jedoch die Hs 293 gleich als Gleitbombe aus. Dadurch erhielt sie das Aussehen eines verkleinerten Flugzeuges. Der Vorteil lag bei der größeren Reichweite des Flugkörpers, die ein Überfliegen des Zieles durch das Mutterflugzeug unnötig machte. Die Hs 293 wurde zum erfolgreichsten deutschen Fernlenkkörper während des Zweiten Weltkrieges. Der Einsatz begann am 25. August 1943 in der Biskaya. Bis Kriegsende wurden von den Geschossen dieses Typs noch etwa 440 000 Tonnen Schiffsraum versenkt, wenn auch die Trefferwirkung von den beim Training üblichen 90 % auf etwa 40 bis 50 % zurückging. In der Serienfertigung befand sich nur die Hs 293 A. Es wurden aber zahlreiche weitere Varianten erprobt.
Die Entwicklung Die Henschel Hs 293 war eine von mehreren Lenkwaffen, die von deutschen
Wissenschaftlern vornehmlich zur Schiffsbekämpfung entwickelt worden war. Die Arbeiten
begannen 1939 mit der Wagner X-1 "Fritz X", einer genial einfachen
Lenkbombe mit 1400 kg panzerbrechender Ladung, die freifallend über Funk steuerbar
war. Die Erprobung der Hs 293 begann im Dezember 1940 auf der Ostseehalbinsel Peenemünde. Beim zweiten Flug traf eine Erprobungsbombe mitten ins Ziel, einen kleinen Schuppen. Spätere Versuchseinsätze wurden gegen ein ausgemustertes 5000-Tonnen-Schiff geflogen, das bald durchlöchert war. Um höchste Treffergenauigkeit zu erzielen, wurden die Bombenschützen an einem sehr fortschrittlichen Simulator ausgebildet. Dann machten sie drei scharfe Lufteinsätze. Beim dritten Einsatz saß die Gleitbombe gewöhnlich mitten im Ziel.
Probleme und Weiterentwicklungen
Die wahrscheinlich zukunftsweisendste Entwicklung war die Hs 293 D. Sie war eine außerordentliche Leistung, erfolgte ihre Lenkung doch bereits mit Hilfe von Fernsehkameras. Die Deutsche Fernsehgesellschaft entwickelte ein sehr kleines Fernsehgerät mit 224 Zeilen. Die Aufnahmekamera benutzte eine Bildwandlerröhre und war im Bug hinter einer elektrisch beheizten Glasscheibe angebracht. Das gesamte Bordvideoaggregat war in einem kompakten Gehäuse von 17 x 17 x 40 Zentimetern Größe untergebracht. Das war lange vor den Tagen der Transistoren und integrierten Schaltungen, und man benötigte immerhin noch 29 Röhren dafür, ein außerordentliches Beispiel von Miniaturisierung.
Die Vorteile der Steuerung durch Fernsehen waren einleuchtend. Sobald die Gleitbombe etwa 20 Kilometer vor dem Ziel ausgelöst worden war, konnte das Mutterflugzeug sofort auf Heimatkurs abdrehen oder in einer Wolke Schutz suchen, während der Bombenschütze die Hs 293 weiter auf das Ziel zusteuerte und ihren Anflug auf dem Bildschirm verfolgte. Er konnte sie sogar Ausweichbewegungen fliegen lassen, um der Schiffsflak seines Opfers das Zielen zu erschweren. Diese bahnbrechende Anwendung des Fernsehens zählt heutzutage zu den wichtigen Baugruppen moderner Waffensysteme. Wie so vieles andere, was in Deutschland erfunden wurde, kamen auch diese Entwicklungen viel zu spät, um noch Frontreife zu erreichen. Aber selbst wenn man sie in ausreichender Menge hätte bereitstellen können, war 1944 die alliierte Luftüberlegenheit so groß, daß die Mutterflugzeuge schon abgeschossen worden wären, bevor sie eine entscheidende Anzahl von Gleitbomben hätten auslösen können.
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