Henschel
Henschel Flugzeugwerke AG, Berlin-Schönefeld
Lange vor Beginn des Krieges experimentierten die Firmen Askania und
Siemens mit Autopiloten für unbemannte Flugzeuge. Zur gleichen Zeit
hatte die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) ein
Modellflugzeug für die Erprobung dieser Autopiloten gebaut, aus dem
später ein Geschoß werden sollte. Die ungesteuerten Abwurfversuche
verliefen allerdings nicht zufriedenstellend und die Autopiloten wurden
nicht gebaut. Ende 1939 trat das RLM an die Luftfahrtindustrie heran, um
die Experimente fortzusetzen. Die Firma Henschel zeigte Interesse. Deren
intensive Entwicklungen führten zur Konstruktion von Gleitbomben, sowie
Geschossen zur Bekämpfung feindlicher Flugzeuge.
Henschel Hs 117 "Schmetterling"
Prof. Herbert Wagner von der Firma Henschel hatte bereits 1941 das
Projekt einer Fla-Rakete Hs 297 im RLM vorgelegt. Da man aber zu diesem
Zeitpunkt im RLM glaubte, eine solche Waffe wird nicht mehr benötigt,
wurde das Projekt abgelehnt. 1943 hatte man es dann aber plötzlich
furchtbar eilig und forderte ihre Entwicklung mit der höchsten
Dringlichkeitsstufe.
Dipl.-Ing.
Henrici wurde mit der Durchführung der Entwicklung der jetzt als Hs 117
bezeichneten Fla-Rakete betraut. Es entstand bis Frühjahr 1944 eine
Unterschallrakete als Mitteldecker mit gepfeilten Tragflächen. Als
Triebwerk dienten zwei Feststoff-Raketen für den Start, die nach diesem
abgeworfen wurden. Danach sorgte ein Flüssigkeitstriebwerk Walter HWK
107-729 für einen Schub von 380 kp. Für den Schrägstart wurde eine
Art Lafette verwendet. Die Steuerung erfolgte über Funk
(Radio-Befehlslenkung). Bei den ersten von Mai bis November 1944
durchgeführten 21 Starts wurden Höhen bis 11000 m erreicht. Die Hs 117
ist neben "Wasserfall" die einzige Fla-Rakete gewesen, die
noch zum Einsatz kam.
Die maximale Steighöhe der Hs 117 lag bei 15000 m. Die Einsatzhöhe
sollte jedoch nur 10500 m betragen und hätte auch für hochfliegende
Bomber gereicht. Die Höchstgeschwindigkeit wurde kurz nach dem Start
erreicht und sollte im Laufe der Versuche bis auf 1100 km/h gebracht
werden. Probeabschüsse wurden jedoch nur noch bis Mach 0,8
durchgeführt. Damit das Geschoß konstant eine bestimmte Machzahl
einhielt, wurde ein Machmeter eingebaut, welches über ein Staurohr das
Regulierventil für den Treibstoff- Zufluß beeinflussen konnte. Bei
Kriegsende war die Hs 117 die weitest entwickelte deutsche Fla-Rakete.
Als 1944 die "Kommission zur Berechnung des feindlichen
Luftterrors" eine Schnellstlösung für eine großkalibrige
Bordrakete forderte, entstand die Hs 117 H (ohne Startraketen). Als
Triebwerk diente bei dieser Version ein BMW 109-558. Nach Gleitversuchen
im Mai 1944 wurden 28 Hs 117 erfolgreich erprobt. Im Januar 1945 war das
erste Seriengerät fertig. Da wurde am 6. Februar 1945 auf Befehl des
für die V-Waffen zuständigen SS-Obergruppenführers Kammler die
Entwicklung und Produktion der Hs 117 gestoppt. Eine wirksame Waffe
gegen die feindlichen Bomberverbände war damit ausgeschaltet. Noch am
14. Januar 1945 hatte Prof. Wagner das Projekt S 11 (Schmetterling 11),
als Weiterentwicklung der Hs 117 vorgelegt. Es ging zwei Tage später
bei der Flak-Erprobungsstelle E 5 ein. Zur Durcharbeitung dieses
Projektes beim Oberkommando der Luftwaffe (OKL) kam es jedoch nicht
mehr.
| Technische Daten:
Henschel Hs 117 "Schmetterling" |
| Klassifikation: |
Flugabwehr-Raketem (Boden / Luft) |
| Antrieb: |
1.Starthilfe durch zwei Schmidding
109-553-Feststoffraketen
mit je 1750 kp (für 4 Sekunden)
2. ein BMW 109-558-Flüssigkeitsraketenmotor mit 380 kp Anfangsschub |
| Treibstoff: |
ca. 60 kg SV-Stoff und 13 kg R-Stoff; 2x 40 kg
Diglykol (Feststoffraketen) |
| Steuerung: |
Radio-Befehlslenkung (Funkimpulse) |
| Sprengkopf: |
Geschoßkopf mit 23 kg Pulverladung und elektrischem
Zünder |
Henschel Hs 293
Zur Hs 293 habe ich schon beim Start meiner Homepage eine Seite
erstellt. Der folgende Link führt dorthin.
Details zur Gleitbombe Hs 293
Alle weiteren Versionen der Henschel Hs 293 werden im folgenden kurz
erklärt.
Henschel Hs 293 A
Einsatzversion, die mit einem Walter-Triebwerk und einer
Radio-Befehlslenkung in etwa 1700 Stück produziert wurde. Als Träger
kamen folgende Flugzeugmuster zum Einsatz: Heinkel He 111, Dornier Do
217, Fock-Wulf Fw 200 und Heinkel He 177. Die geplante Umrüstung
der Junkers Ju 290 wurde nicht fertig. Ebenfalls wurde versucht, den
Großtransporter Blohm&Voß Bv 222 als Träger einzusetzen. Die Hs
293 A besaß als Sprengkopf den Bombenkörper der SC 500- Sprengbombe,
war also wesentlich schwächer als die Kramer-Fallbombe und konnte nur
gegen kleinere und leicht gepanzerte Einheiten eingesetzt werden. Da
Flügelprofil und Zelle nicht für Überschallgeschwindigkeit entworfen
waren, wurden versuchsweise hinter jedem Flügelspitzenende
Widerstandskörper angehängt, die den Widerstand ab Mach 0,75 bis 0,8
so rapide ansteigen ließen, daß sich die Geschwindigkeit nicht
erhöhte. Sie kamen jedoch nicht mehr zum Einsatz.
| Technische Daten:
Henschel Hs 293 A |
| Klassifikation: |
Gesteuerte Gleitbombe (Luft / Boden) |
| Antrieb: |
ein Walter HWK 109-507-Flüssigkeitsraketenmotor
mit590 kp Schub (für 10 Sekunden) |
| Treibstoff: |
T-Stoff und Z-Stoff |
| Steuerung: |
Radio-Befehlslenkung (Funkimpulse) |
| Sprengkopf: |
Bombenkopf mit 325 bis 500 kg Pulverladung und
Aufschlagszünder |
Henschel Hs 293 B
Versuchsausführung mit Drahtlenkung. In dieser Version trug der
Flugkörper selbst 20 km Draht mit sich, während vom Trägerflugzeug
zusätzlich noch 10 bis 12 km Draht abgespult werden konnten. Ansonsten
entsprach diese Version vollkommen der Ausführung Hs 293 A.
Henschel Hs 293 C
Abwandlung der Hs 293 A als Versuchsträger für den Unterwasserkopf der
Hs 294 mit Stolperkante.
Henschel Hs 293 D
Versuchsausführung
mit Fernsehlenkung. Diese Version besaß den Grundkörper der Hs 293 A,
jedoch auf dem Bombenkopf als Bugzusatzteil die Fernsehkamera aufgebaut.
Ein weiteres Rumpfzusatzstück befand sich zwischen Bug- und Heckteil
und beherbergte den Fernsehsender. Das dritte Zusatzteil war
schließlich die große Yagi-Antenne am Heck. Die Steuerung erfolgte wie
bei den durch Radio oder Draht gelenkten Ausführungen mit einem
Steuerknüppel, jedoch erfolgte die Zieldeckung durch den Steuermann
über einen Fernsehschirm, in dessen Mitte das Ziel immer stehen mußte.
Diese Aufgabe erwies sich jedoch als zu schwierig und konnte bis zum
Ende des Krieges nicht einsatzreif gemacht werden. In diese Version
wurde auch erstmals das neue Schmidding-Gleitbomben-Triebwerk eingebaut,
welches speziell als Ersatz für das zu leistungsschwache
Walter-Triebwerk 109-507 entwickelt worden war.
Henschel Hs 293 G
Analog der Hs 293 A, jedoch mit einem WASAG-109-512-Pulvertriebwerk mit
66 kg Diglykol. Der Schub beträgt 1200 kp bei 10 Sekunden Brenndauer.
Henschel Hs 293 H
Abgeänderte Version der Hs 293 als Gleitbombe gegen Bomberverbände vom
Flugzeug aus. Das Trägerflugzeug, eine Dornier Do 217, konnte bis zu
4 km vom Ziel entfernt die Bombe auslösen und per Fernsteuerung
ins Ziel führen. Die Kommandos der Steuerung wurden in den ersten
Tests per Funk, später über Draht übertagen. Bei einem Gesamtgewicht
ca. 980 kg konnte die Hs 293 H etwa 300 kg Sprengstoff mitführen.
welcher per Abstands- oder Barometerzünder zur Explosion gebracht
wurde. Nach Tests und Erprobungen wurde die Serienfertigung jedoch, wohl
wegen der großem alliierten Lufthoheit, kurz vor Ende des Krieges
eingestellt.
Henschel Hs 294
Ferngesteuerter Lufttorpedo für die Bekämpfung von Schiffen. Im
Prinzip gleicht er der Hs 293-Gleitbombe, ist jedoch in den Abmessungen
und der Bombenzuladung größer. Als Kampfkopf besaß diese Version den
in der Hs 293 C erprobten Unterwasserkopf mit Stolperkante. Zwei Walter
HWK 109-507-Raketenmotoren sorgten für 2x 590 kp Schub für 10
Sekunden. Es wurde ebenfalls wie bei der Hs 293-A eine Radio-
Befehlslenkung vorgesehen. Die Hs 294 sollte wie die Hs 293
abgeworfen und auf das Ziel zugesteuert werden, aber 300 bis 400 m vor
dem Ziel ins Wasser tauchen, wobei Flächen und Rumpf an
Soll-Bruchstellen abbrachen. Anschließend sollte der Torpedo (Gewicht:
etwa 1450 kg) unter Wasser mit einer Geschwindigkeit von 230 km/h auf
das Ziel zulaufen. Insgesamt wurden etwa 100 bis 120 Stück gebaut.
Henschel Hs 295
In
den Abmaßen und Proportionen eine vergrößerte Version der Hs 293 H.
Sollte jedoch gegen Seeziele eingesetzt werden. Als Trägerflugzeug
wurde der schwere Bomber Heinkel He 177 eingesetzt. Die Gleitbombe
konnte aus einer maximalen Entfernung von 14 km und maximal 8 km Höhe
vom Ziel abgeworfen werden. Die Fernsteuerung erfolgte am Anfang per
Funk. Spätere Muster empfingen ihre Steuersignale über Draht, ähnlich
der Hs 293 B. Als Nutzlast wurde ein Bombengewicht von ca 1300 kg
mitgeführt. Die Hs 295 lief seit April 1944 in der Erprobung. Diese
konnte jedoch bis Kriegsende nicht abgeschlossen werden.
Henschel Hs 296
Verbesserte Abwandlung der Hs 293 H mit einer von Dr. Rombusch vom
Physikalischen Forschungsinstitut Dressenfeld entwickelten
Fernseh-Fernsteuerung, die nur 2,5 kg wog.
Henschel Hs 297
Im
Spätsommer 1944 wurde die Entwicklung einer Kleinst-Fla-Rakete unter
der Bezeichnung "Föhn" abgeschlossen. Es handelte sich um
eine ungesteuerte Pulverrakete, die mit 1200 m Gipfelhöhe gegen
Tiefflieger eingesetzt werden sollte. Das Projektil des Kalibers 7,3
besaß 3 kg Gesamtgewicht. Es war mit einem Aufschlag- und einem
Selbstzerlegerzünder ausgestattet. Der Abschuß erfolgte aus Gestellen
im Einzelschuß oder als Sperrfeuersalve von 48 Schuß aus 6 Rahmen mit
je 8 Raketen. In der Erprobung befanden sich Sonderausfertigungen dieses
Gerätes mit 3, 5, 7, 24 und 35 Abschußschienen. Dabei sollte das von
einem Mann zu bedienende 3-Schuß-Gerät als "Volks-Flak-R-Werfer"
die Flak des "kleinen Mannes" werden. Das im September 1944
erlassene Flak-Notprogramm 1944/45 forderte bis April 1945 den Ausstoß
von 1000 Flak-R- Werfern "Föhn". Obwohl die Produktion im
Oktober 1944 planmäßig anlief, wurden bis Februar 1945 nur 50 Geräte
ausgeliefert. Sie standen noch zum Abschluß der praktischen
Truppenerprobung im Einsatz.
Henschel Hs 298
Anfang
1944 wurde nach den gleichen Konstruktionsprinzipien der bisherigen
Henschel-Fernlenkkörper mit der Konstruktion einer kleinen
Luftkampfrakete begonnen, die die Bezeichnung Hs 298 erhielt. Auch sie
war im Prinzip ein verkleinertes Flugzeug mit Pfeilflügeln und
doppeltem Seitenleitwerk. In den ersten Ausführungen kamen
Flüssigkeitsraketenmotoren zur Verwendung (Schmidding 109-513 mit 1000
kp für 10 Sekunden und BMW 109-511 mit 600 kp für 12 Sekunden), die
aber später zugunsten der leistungsschwächeren aber einfacheren und
billigeren Pulverrakete Schmidding 109-543 aufgegeben wurden. Die
Radio-Befehlslenkung hatte allerdings nur eine Reichweite bis 1,5 km.
Deshalb wurde das Projektil Anfang 1945 im Rahmen der
Musterbeschränkungen zugunsten der Kramer X-4 aufgegeben.
| Technische Daten:
Henschel Hs 298 |
| Klassifikation: |
Luftkampfrakete (Luft / Luft) |
| Antrieb: |
ein Schmidding 109-543-Feststoffraketenmotor
1. Startschub mit 150 kp (für 5 Sekunden)
2. Dauerschub mit 50 kp (für 20 Sekunden) |
| Treibstoff: |
32 kg Diglykol (Feststofftreibsatz) |
| Steuerung: |
Radio-Befehlslenkung (ähnlich der Hs 293) |
| Sprengkopf: |
Bombenkopf mit 25 kg Pulverladung und elektrischem
Abstandszünder |
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