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Allgemeine Flugabwehrraketen
Erster Anlaß für die Entwicklung von Flugkörpern für die Belange der
Luftabwehr war der Wunsch nach einer Funklenkanlage für Zieldarstellung für
die Flakartillerie. Bereits ab 1939 arbeiteten die Argus-Flugmotorenwerke
und die DFS zusammen an einem "Flakzielgerät FZG". Später als
As 292 bezeichnet. Im November 1939 besichtigte der Generalluftzeugmeister
Udet das erfolgreich erprobte Gerät und 100 Stück wurden bestellt. Eine
vergrößerte Ausführung mit eingebauter Kamera sollte als unbemannter
Aufklärer eingesetzt werden.
Die nach dem Kriege in den USA entwickelten "Drones"
haben also damals schon Vorgänger in Deutschland gehabt.
C 2 "Wasserfall"
Der ab 1941 ständig steigende Einsatz feindlicher Bomberverbände über
dem Deutschen Reich zeigte, daß die Flakartillerie bald die Grenze
ihrer Wirkungsmöglichkeit erreichen würde. So konnte der General der
Flakartillerie von Axthelm am 18. September 1942 einen Befehl zur
Entwicklung von Flugabwehr(Fla)-Raketen durchsetzen. Noch vor Ende 1942
gab das RLM den Entwicklungsauftrag für die Fla-Rakete
"Wasserfall" an die Flakversuchsanstalt in Karlshagen bei
Peenemünde. Diese Dienststelle wurde nunmehr als
"Flak-Versuchskommando Nord" bezeichnet und unterstand in
technischer Beziehung Dr. Wernher von Braun.
Die eigentliche Arbeit am Projekt "Wasserfall" begann jedoch
erst im Sommer 1943, da die notwendigen Fachleute erst einzeln von
Frontverbänden zurückgerufen werden mußten. "Wasserfall"
glich äußerlich einer verkleinerten A 4 (V 2). Das erste
Versuchsmuster explodierte bereits beim ersten Startversuch am 8. Januar
1944. Am 29. Februar startete das zweite Muster und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit
in senkrechtem Flug von 2772 km/h. Es wurden etwa 50 dieser Geräte
erprobt. Zur Serienfertigung bei den Firmen Arado und Henschel kam es
nicht mehr.
Ab September 1944 begann die 2. Batterie der Flak-Lehr- und
Versuchsabteilung mit dem Vergleichsschießen verschiedener
Fla-Raketenmuster. Von allen in Deutschland entwickelten Fla-Raketen ist
"Wasserfall" wahrscheinlich die leistungsfähigste, aber auch
komplizierteste und aufwendigste gewesen. Da bereits kurz nach dem
Kriege in den USA unter Mithilfe von Dr. von Braun die
erfolgreiche Fla-Rakete "Nike" entstand, kann man die
"Wasserfall" als Vorgängerin für die "Nike"
ansehen. Der Preis der "Wasserfall" lag zwischen 7000,- und
10000,- RM.
So kostete ein Volltreffer ca. RM 14 000,-, während für den gleichen
Erfolg rund 4 000 Flak-Granaten, Kostenaufwand RM 40 0000,-, hätten
eingesetzt werden müssen. Die Produktion der C 2 "Wasserfall"
wurde am 26. Februar 1945 eingestellt, obwohl beim ersten Einsatz, es
wurden etwa 50 verschossen, ein durchschlagender Erfolg gegen feindliche
Bomberverbände erzielt worden war.
| Technische Daten: C 2
"Wasserfall" |
| Klassifikation: |
Flugabwehr-Rakete (Boden / Luft) |
| Antrieb: |
Flüssigkeitsraketenmotor (41 Sekunden Brenndauer
mit 8.000 kp Schub) |
| Treibstoff: |
1.500 kg SV-Stoff und 450 Kg Visol |
| Steuerung: |
nach 6 Sek. erfolgt eine Funk-Leitstrahlsteuerung
nach optischer Sicht |
| Sprengkopf: |
100 kg Pulverladung mit elektrischen Zünder |
"Taifun"
Die Elektromechanischen Werke, die auch das Flüssigkeitsraketentriebwerk
für die Peenemünder C -2 »Wasserfall« Fla-Rakete entwickelten,
betrieben gegen Ende des Krieges die Entwicklung einer eigenen
Klein-Fla-Rakete mit Flüssigkeits-Raketenmotor unter der Bezeichnung
"Taifun". Diese wurde als vollbetankt-lagerfähige Flüssigkeits-Fla-Rakete
konstruiert und sollte ungesteuert im Massenabschuß vom Boden aus gegen
feindliche Bomberverbände eingesetzt werden. Die Erprobung war jedoch
bei Kriegsende noch nicht abgeschlossen.
| Technische Daten:
"Taifun" |
| Klassifikation: |
Flugabwehr-Rakete (Boden / Luft) |
| Antrieb: |
Flüssigkeitsraketenmotor (2,5 Sekunden Brenndauer
mit 800 kp Schub) |
| Treibstoff: |
8,3 kg SV-Stoff und 2,5 kg R-Stoff |
| Steuerung: |
keine |
| Sprengkopf: |
0,5 kg Pulverladung und einstellbarem Verzögerungszünder |
Konrad "Enzian E-4"
In der Oberbayerischen Forschungsanstalt Oberammergau entwickelte Dr.
Konrad 1944 aus dem schwanzlosen Raketenjäger Me 163 ein unbemanntes
und ferngesteuertes Fla-Geschoß unter der Bezeichnung
"Enzian". Die ersten Ausführungen "Enzian E-1, E-2
und E-3" besaßen als Antrieb einen Walter-Flüssigkeitsraketenmotor
mit einer Treibstoffförderung durch Turbopumpen. Sie dienten nur
Versuchszwecken. Im November 1944 wurde die E-2 in zwei Exemplaren
verschossen.
Die Serienausführung "Enzian E-4" dagegen erhielt einen von
Konrad speziell entwickelten Zweistoff-Raketenmotor. Der Serienbau war
beim Süddeutschen Holzbau in Sonthofen angelaufen. Zum Einsatz kam das
Projektil nicht mehr. Die Forderung nach einem möglichst einfachen und
in der Herstellung billigen Gerät wurde erfüllt:
Die gesamte Zelle, deren Form an Lippischs Me 163 angelehnt war,
bestand, außer der aus 20 mm Stahlblech bestehenden Spitze, aus Holz.
Als Triebwerk wurde das VfK-Triebwerk Zg. 613 A 01, das primitivste Flüssigkeitstriebwerk
aller Fla-Rake eingebaut. Es wurden bereits vorhandene und erprobte
Bord- und Bodengeräte verwendet, so daß keine zusätzliche Entwicklung
notwendig war. Bis Kriegsende wurden noch etwa 60 "Enzian"
gefertigt.
Für den Start verfügte diese Fla-Rakete über vier abwerfbare
Feststoffraketen, dann übernahm das Flüssigkeitstriebwerk den Antrieb,
der das Gerät auf eine Höhe von 15.000 m brachte. Der erste Start der
"Enzian" erfolgte im August 1944.
| Technische Daten:
Konrad "Enzian E-4" |
| Klassifikation: |
Flugabwehr-Rakete (Boden / Luft) |
| Antrieb: |
1. Flüssigkeitsraketenmotor (70 Sek. Brenndauer mit
2000 kp Schub)
2. vier Schmidding 109-553-Pulverraketen
(4 Sek. Brenndauer mit 4x 1750 kp Schub) |
| Treibstoff: |
480 kg SV-Stoff und 110 Kg Visol |
| Steuerung: |
Radargelenkte Befehlslenkung,
in Zielnähe per akustischem Zünder oder Infrarot-Zielgerät |
| Sprengkopf: |
300 kg Pulverladung und akustischer Zünder |
Konrad "Enzian E-5"
Ebenfalls in der Erprobung gewesene Weiterentwicklung der E-4 mit
gleichem Aufbau, jedoch mit einem verbesserten Konrad-Zweistoffmotor,
der SV-Stoff und Br-Stoff verbrannte und für 56 Sekunden maximal 2180
kp Schub abgab.
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