Der Messerschmitt - Düsenjäger

Me 262A-1a "Schwalbe"



Da ich inzwischen mehrere Anfragen bezüglich der Namensgebung der Me 262 bekommen habe, hier eine kurze Erklärung:
Die Me 262 wurde sowohl als "Schwalbe" (Jäger-Version) als auch als "Sturmvogel" (Jagdbomber-Version) bezeichnet. Dabei verwende ich den Namen "Schwalbe", da die Jagdversion als erstes in Serienproduktion ging und das populärste Muster war, das den entschiedensten Anteil am "Mythos" der Me 262 hatte.


Die Me 262 stellte den Höhepunkt der luftfahrzeugtechnischen Entwicklung in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses Jagdflugzeug mit seinen revolutionären Luftstrahltriebwerken (Turbinenantrieb) und einer enormen Feuerkraft von vier 30mm Kanonen hätte sogar noch den alliierten Bombern gefährlich werden können, wenn es früher erschienen, und von Anfang an richtig eingesetzt worden wäre. Dieser 1942 bestehende Vorsprung wurde jedoch durch direktes Eingreifen Hitlers vertan.

Die Arbeiten an diesem fortschrittlichen Flugzeug, daß der erste einsatzfähige Düsenjäger der Welt werden sollte, begannen im Herbst 1938. Damals forderte das deutsche Reichsluftfahrtministerium die Firma Messerschmitt auf, mit Vorstudien für die Zelle eines Jagdflugzeugs zu beginnen, das umwälzende, höchst geheime Antriebsaggregate erhalten sollte. Es war das "Projekt 1065", das schließlich dazu beitrug, daß die konkurrierende Heinkel He 280 nicht gebaut kam.


Die Geschichte der deutschen Turbinenjäger

Originalfoto der einzigen He 178 Es hatte alles in den dreißiger Jahren begonnen, als es einigen vorausschauenden Männern klar wurde, daß der Kolbenmotor- und Propellerantrieb für Flugzeuge bald seine theoretischen Leistungsgrenzen in großen Flughöhen erreicht haben würde. Im Frühjahr 1936 hatte Dr. von Ohain das Interesse des Konstrukteurs Ernst Heinkel an der Möglichkeit des Gasturbinenantriebs für Flugzeuge geweckt. Heinkel nahm den jungen Wissenschaftler in seinen Entwicklungsstab auf und gab ihm jede Unterstützung, ein Turbinentriebwerk, das He S2A, zu bauen, das im September 1937 erstmals auf dem Prüfstand lief. Obwohl es nur einen Schub von 80 Kilopond erzielte, war dieses reine Versuchstriebwerk im Rahmen seiner Aufgabenstellung erfolgreich.
Daraufhin wurde das He S3A entwickelt, das für Flugerprobungen mehr als 450 kp Schub leisten sollte. Es wurde in eine dafür entwickelte Zelle eingebaut - die Heinkel He 178. Erich Warsitz machte mit ihr am 27. August 1939 den ersten strahlgetriebenen Flug der Welt auf dem Werksflugplatz der Heinkelwerke in Marienehe.

Die He 280, ein auf der He 178 basierter Jäger Als jedoch das Flugzeug nach weiteren Tests im November 1939 der Luftwaffenführung vorgeführt wurde, hatte diese Bedenken in Bezug auf die Verwendung dieses neuartigen Antriebs. Trotzdem setzte Heinkel die Entwicklungsarbeiten an den Triebwerken und Zellen fort. So schufen die Heinkelwerke den ersten einsatzfähigen zweistrahligen Turbinenjäger He 280, der zugleich auch als erstes Flugzeug in der Luftfahrtgeschichte mit einem Schleudersitz ausgestattet war. Der Erstflug erfolgte am 2. April 1941. Drei Tage später fand eine Vorführung vor Vertretern der Luftwaffe statt. Dabei erreichte die He 280 eine Höchstgeschwindigkeit von 776 km/h in nahezu 6000 Metern Höhe.
Die übliche Geschwindigkeit bei den damaligen Jägern mit Kolbenmotoren lag bei 560 km/h. Doch weiterhin bezweifelte die Luftwaffe einen Bedarf an Düsenflugzeugen. Obwohl neun Prototypen der He 280 bereits flogen, wurde sie nie in Serie gegeben. Die Konkurrenzfirma Messerschmitt erhielt zu dieser Zeit Aufträge unter der Bezeichnung "Projekt 1065" zur Entwicklung eines Turbinenjägers, der späteren Me 262.


Die Entwicklung der Me 262

Nachdem Messerschmitt Ende 1938 den Auftrag zu Vorentwürfen bekommen hatte, vollendete man diese im Juni 1939 und schuf bis zum März 1940 ein Holzmodell, worauf der Vertrag über drei Prototypen erteilt wurde. Das Flugzeug entpuppte sich als ein aerodynamisch sehr sauber und schnittig ausgelegter Tiefdecker, mit zwei untergehängten Strahltriebwerksgondeln.
Jedoch waren sowohl Zellen als auch Triebwerke noch nicht erprobt. Die dafür vorgesehenen BMW-Axial-Strahltriebwerke waren sicherlich nicht die einfachste Antriebsart für diese bahnbrechenden Arbeiten. Da Axialturbinen gewisse Konstruktionsprobleme aufwerfen, die ihnen bis auf den heutigen Tag anhaften. Man erwartete von ihnen etwa 450 Kilopond (kp) Schub. Aber auf dem Prüfstand erreichten sie nur 260 kp, was nicht annähernd für Versuchsflüge ausreichte.

Detailansicht der Jumo 004B-2 Als einzig mögliche Ausweichlösung bot sich die Junkersturbine Jumo 004 an. Doch auch sie war noch nicht annähernd fertig entwickelt, hatte erst im November 1940 mit dem Probelauf begonnen und verursachte danach erhebliche Schwierigkeiten.
Inzwischen waren die drei Prototypzellen fertiggestellt worden, hatten aber keine Triebwerke. Nun war es April 1941 geworden, und das Interesse an Strahltriebwerken ließ im Reichsluftfahrtministerium immer mehr nach. Trotz dieser niedrigen Dringlichkeitsstufe setzte die Entwicklungsgruppe von Messerschmitt die Arbeiten voller Begeisterung fort. In Ermangelung von Turbinen baute sie einen einzelnen Junkers-Jumo-210G-Kolbenmotor in den ersten Prototyp ein. Obwohl die Leistung der Jumo 210 mit knapp 600 PS sehr schwach war, führte man einige erfolgreiche Flüge durch.
Mitte November trafen die ersten beiden BMW-003-Strahltriebwerke zum Einbau ein. Beim ersten Test brachen jedoch die Turbinenschaufeln in beiden Triebwerken ab. Bis verbesserte Turbinen wieder eingebaut werden konnten, sollte es Ende 1943 werden.
Unterdessen standen die passenden Jumo-004-Triebwerke endlich zur Verfügung. Sie hatten ihre Flugerprobung unter einer Me 110 bestanden, lieferten 840 kp Schub und wurden in die dritte Me 262-Zelle eingebaut.

Me 262 mit Schleppbombe Der erfolgreiche Erstflug fand am 18. Juli 1942 in Leipheim statt. Einige Vorführungen wurden im November 1943 vor Göring und dem Hauptquartier Hitlers geflogen. Hitler war sehr beeindruckt und forderte, sofort mit der Massenproduktion der Me 262 als Bomber zu beginnen. Dies war eine verhängnisvolle Entscheidung. Ein anderer zweistrahliger Prototyp, die Arado 234, war für eine Verwendung als Bomber weitaus geeigneter. Die Direktive Hitlers verzögerte zwangsläufig die Produktion der Me 262. Alle Versuche, aus der Me 262 einen Bomber zu machen - darunter auch ein Vorschlag eine 1000 kg Bombe im Schlepp mitzuführen (siehe Bild) - erwiesen sich als nicht durchführbar. Erst im November 1944 änderte Hitler seinen Befehl. Doch jetzt war es schon zu spät, um durch den Einsatz von Me 262-Jägern noch eine Wende im Krieg zu erreichen.


Der erste Einsatz !

Walter Nowotny Unter Führung einer der besten Jagdpiloten Deutschlands - Walter Nowotny - wurde Ende 1944 das "Kommando Nowotny" aufgestellt, um den Kampf gegen die alliierten Bomberströme und ihre Begleitjäger aufzunehmen. Die Ergebnisse mußten die USAAF (United States of America Air Force) alarmieren, denn die schnittige, kampfstarke Me 262 war damals der schnellste Jäger der Welt. Immer wieder gelang es dieser Maschine die "Fliegenden Festungen" (Boeing B-17) der Amerikaner zu attackieren. Als Jagdflugzeug übertraf die Me 262 alle Typen ihrer Zeit. Sie erreicht 870 km/h in rund 6000 Metern Höhe. Der schnellste damalige alliierte Jäger, die North-American P 51D "Mustang" mit Rolls-Royce-Motor, erreichte nur 700 km/h. Doch Hitler gab den Befehl, daß alle bereits gebauten Me 262-Jäger sofort auf Bomber umzurüsten seien. Die Bomberversion "Sturmvogel" mußte ihre zwei 500-kg-(oder eine 1000-kg-)Bombe außenbords mitführen, was ihre Geschwindigkeit gegenüber den alliierten Kolbentriebwerksjägern verringerte.
Angesichts der immer stärker und vernichtender werdenden USAAF-Tagesangriffe änderte Hitler im November 1944 seinen Befehl und verlangte Tausende von Me 262 als Jagdflugzeuge. Somit wurden die ersten Turbinenjäger zum Erprobungskommando 262 (E-Kdo 262) in Lechfeld zusammengefaßt, um zwei Aufgaben wahrzunehmen: einmal die Umschulung von Flugzeugführern auf die Me 262 und zum anderen die Abwehr hochfliegender "Mosquito" und "Lightning" -Bildaufklärer, die von deutschen propellergetriebenen Jagdflugzeugen fast überhaupt nicht abgefangen werden konnten.

de Havilland "Mosquito" PR.MK 34 - 684 km/h (in 9.300 m) Lockheed P-38 "Lightning" - 666 km/h (in 7.600 m)
de Havilland "Mosquito" PR.MK 34
- 684 km/h (in 9.300 m)
Lockheed P-38 "Lightning"
- 666 km/h (in 7.600 m)

Später wurden die Düsenjäger hauptsächlich gegen die Bomberströme der 8. US-Luftflotte eingesetzt. Überlebende amerikanische Piloten erinnern sich noch sehr genau daran, wie sie die Düsenjäger im Einsatz erlebten. Colonel Johnson war Kommandant einer B-17 "Flying Fortress", der Anfang 1945 bei einem Tagesangriff auf Nürnberg dabei war, als drei Me 262 seinen Verband angriffen:

»Mein Heckschütze meldete sie in Richtung sechs Uhr oben und setzte hinzu >sehr weit oben<. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Als nächstes hörten wir nur noch, daß alle Bordschützen, das Feuer eröffnet hatten und der Heckschütze ein weiteres Mal rief: >Da kommen sie!< Drei Turbinenjäger rasten durch unseren Bomberverband, schossen drei unserer Maschinen ab und waren unversehens verschwunden. Sie waren wirklich gut!«


Die letzten Einsätze unter General Galland

zerstörte Werkshalle einer Me262 Produktion Als sich der Krieg seinem Ende zuneigte, versuchte die Luftwaffe verzweifelt, den Ausstoß der Me 262 zu steigern. Alliierte Bombenangriffe auf Zulieferungsbetriebe und Flugzeugfabriken erschwerten die Lage außerordentlich. Aber durch gezielte Auslagerung der Fertigung wurden die Düsenflugzeuge in Wäldern und in hervorragend getarnten Ausweichbetrieben gefertigt. Insgesamt wurden 1433 Me 262 gebaut, obwohl wahrscheinlich nur etwa einhundert von ihnen tatsächlich zum Einsatz kamen.

General Adolf GallandDen letzten Me 262-Verband, den "Jagdverband 44" (JV 44), stellte General Galland persönlich auf. Es war ein Eliteverband mit sorgsam ausgewählten Jagdfliegern. Zehn von ihnen trugen das begehrte Ritterkreuz. Sie starteten von der Autobahn München-Augsburg aus und flogen so lange, bis ihre Bodentruppen von amerikanischer Infanterie am 3. Mai 1945 überrollt wurden. Der Verband war gerade erst einen Monat im Einsatz gewesen, hatte aber schon fünfzig US-Bomber abgeschossen. Die drei Me 262, die Colonel Johnson gemeldet hatte, waren aller Wahrscheinlichkeit nach vom JV 44 gewesen. (siehe Zitat oben) Als der erste Düsenjäger der Welt seine Einsätze beendete, hatte er zwar nur eine kurze Erfolgsserie aufzuweisen, doch mit ihm waren die Grundzüge für die Strahljägerentwicklung der nächsten 30 Jahre aufgezeigt worden.


Abschließende Einschätzung

Rückblickend wird deutlich, daß die Me 262, falls sie ein Jahr früher in ausreichender Anzahl verfügbar gewesen wäre, entscheidenden Einfluß auf die alliierten Luftkriegsoperationen genommen hätte. Galland, General der dt. Luftwaffe, hat wiederholt festgestellt:

Eine Staffel Me 262Sofern die Turbinenjäger im Frühjahr 1943 einsatzreif gewesen wären, hätte die Luftwaffe die lähmenden Tagesbombardierungen stoppen können. Ferner war es denkbar, daß Turbinenjäger in großer Anzahl mit ausgereiften Triebwerken und erfahrenen Besatzungen die Luftüberlegenheit langsam wiedergewonnen hätten, die in der Luftschlacht um England verloren ging. Dies ist keine so ungewöhnliche Vorstellung, da die Alliierten bis Mitte 1944 überhaupt keine Luftkriegsmittel gegen die Me 262 gehabt haben. Die Invasion wäre dann sehr viel verlustreicher für die Alliierten verlaufen, als sie es ohnehin schon war.
Für die Verzögerungen ist teilweise Hilter verantwortlich. Im Grunde genommen lag aber das größte Hemmnis für die Entwicklung des deutschen Turbinenjägers in der Triebwerksfrage begründet. Die BMW-Turbine war nicht fertig. Die Junkers-Jumo-004 war zu schwach und verursachte viele jener Brüche, unter denen die Me 262 litt. Denn mit einer Lebensdauer von durchschnittlich 15 Einsatzstunden konnte es nie ein befriedigendes Triebwerk sein.
Wenn die Luftwaffe 1939 ernsthaft ein Turbinenjägerpotential angestrebt und soviel wissenschaftliche Anstrengungen und Mittel diesem Produktionsprogramm gewidmet hätten wie den V2-Raketen, dann hätte Anfang 1943 auch eine schlagkräftige Flotte von Turbinenjägern bereitstehen können.

Technische Daten: Messerschmitt Me 262 "Schwalbe"
Klassifikation: einsitziger Jäger / Jagdbomber
Spannweite: 12,48m
Länge: 10,60 m
Triebwerke: zwei Junkers Jumo 109-004B (mit 900 kp Schub)
Bewaffnung: - vier 30 mm Kanonen
- oder 12 Luft-Luft-Raketen R4M
- oder zwei 250 kg Bomben
- oder eine 500 kg Bombe
Gewicht: 6.400 kg
Geschwindigkeit: ca. 870 km/h (in 6.000 m Höhe)
Einsatzreichweite: ca. 850 km





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