Der Messerschmitt - Raketenjäger

Me 163B-1 "Komet"

Die Me 163 von Messerschmitt war ein raketengetriebener Abfangjäger, der mit einer revolutionären Antriebstechnologie arbeitete. Die "Komet" bestand zwar zum größten Teil aus Holz, bot aber dennoch hervorragende Flugleistungen und zwar zugleich das einzige Jagdflugzeug mit Raketenantrieb, das am Zweiten Weltkrieg teilnahm.

Maßgeblich waren an der Entwicklung der Me 163 die Firma Messerschmitt, Alexander Lippisch, der genialen Konstrukteur von schwanzlosen Deltaflugzeugen, und Hellmuth Walter beteiligt, der ein sehr leistungsfähiges, kleines leichtes Flüssigkeitsraketentriebwerk entwickelt hatte.
Diese Gruppe hatte ein kleines Deltaflugzeug ohne Antrieb gebaut, um ohne besondere Dringlichkeitsstufe die Möglichkeit eines Abfangjägers mit Raketentriebwerk zu untersuchen. Unter der Bezeichnung Me 163 wurden zunächst Versuchsflüge ohne Triebwerk im Segelflug vorgenommen. Dabei wurden Geschwindigkeiten von 640 km/h erreicht, Werte, die reinen Hochleistungsflugzeugen gleichkommen. Aufgrund dieser Tests gab das Reichsluftfahrtministerium die Anweisung das Raketentriebwerk einzubauen.

erster Start einer Me 163 mit Raketentriebwerk Die Me 163 A wurde aus Geheimhaltungsgründen nach Peenemünde gebracht, wo im Sommer 1941 die Versuchsflüge mit Raketentriebwerk durchgeführt wurden. Für diese Tests wurde das Walter HWK R11 203 mit 750 kp Schub eingebaut. Hiermit konnte der Messerschmitt-Testpilot Heini Dittmar leicht den damaligen Geschwindigkeitsrekord von 755 km/h überbieten und 920 km/h erreichen. (Wegen der Geheimhaltung konnte der Weltrekord natürlich nicht zur Bestätigung angemeldet werden.)
Die Flugeigenschaften der Me 163 A waren ausgezeichnet. Größter Nachteil war jedoch die kurze Brenndauer des Triebwerks, die gerade zum Steigen auf 4000 m ausreichte. Obwohl die Me 163 noch beschleunigte, mußten die Hochgeschwindigkeitsflüge stets infolge des zur Neige gehenden Brennstoffs abgebrochen werden. Deshalb schlug Dittmar vor, die Me 163 auf Höhe zu schleppen, um genug Treibstoff zur Ermittlung der tatsächlichen Höchstgeschwindigkeit zu haben. Lippisch hatte errechnet, daß sie über 1000 km/h liegen könne, was in jenen Tagen einer unerreichbaren Traumgrenze wie der Lauf über eine Meile unter vier Minuten entsprach.

Foto von Heini Dittmar nach dem Weltrekordflug So wurde Heini Dittmar am 2. Oktober 1941 vom Flugplatz Peenemünde aus von einer Messerschmitt Bf 110 auf 4000 m Höhe geschleppt. Dort klinkte er aus und zündete das Raketentriebwerk.
Die Me 163 A beschleunigte auf unglaubliche 1002 km/h oder Mach 0,84. Während dieses Fluges, mit der bis dahin höchsten Geschwindigkeit, erlebt Dittmar den Verdichtungseffekt der Luft, der später allgemein volkstümlich als »Schallmauer« bezeichnet wurde.

Daraufhin wurde ein Bauauftrag von 70 Raketenjägern Me 163 B als Vorserie für eine bewaffnete Ausführung für die Luftwaffe bewilligt. Der Raketenjäger bot eine mögliche Lösung gegenüber der wachsenden Bedrohung durch die Tagesangriffe der USAAF-Bomberverbände. Rüstungsminister Albert Speer gab Weisung, daß eine ausreichende Anzahl von Raketenjägern, jetzt "Komet" genannt, in Serie gehen sollten, um in Einsatzstaffeln ständig 1000 von ihnen verfügbar zu haben. Obwohl ihre Reichweite sehr begrenzt war, ließen sie sich doch billig herstellen und konnten als Objektschutz lebenswichtige Ziele, wie zum Beispiel die Ölraffinerien bei Leipzig, sichern.


Das RaketentriebwerkDie "Komet" wurde nun mit einem Walter HWK 109-509 Raketentriebwerk ausgerüstet, das unfaßbare 1500 kp Schub bei nur 166 kg Gewicht leistete. Mit diesen Me 163 wurde die erste Einsatzgruppe, das Erprobungskommando 16, ausgerüstet. Hier wurden die Einsatztaktiken gegen die US-Bomber erarbeitet. Sobald sich Bomber näherten, sollten einige "Komet" starten und mit 700 km/h in knapp 6 Minuten auf 11.500 m Höhe steigen. Das entspricht einer Steigrate von 80 m/sek !! In dieser Höhe wurde noch einmal auf 900 km/h beschleunigt. Nun sollte sich der Verband aus einer Überhöhung von 1000 m gleichzeitig aus allen Richtungen auf den Bomberstrom stürzen können.
So war es auf jeden Fall geplant. In der Praxis blieben diese Taktiken weit hinter den Erwartungen zurück. Anfangs ereigneten sich während der Ausbildung viele tödliche Unfälle, meist infolge des hochexplosiven Treibstoffes. Dieser bestand aus einer Mischung von C-Stoff (57 % Methylalkohol, 30 % Hydrazinnhydrat und 13 % Wasser) und T-Stoff (80 %iges Wasserstoffperoxyd). Das große Problem war, daß beide Treibstoffe höchst aggressiv reagierten. Sobald sie vermischt wurden, spalteten sie sich sofort explosionsartig in hochtemperierte Gase. Sogar das Betanken der Flugzeuge war ein gefährliches Unternehmen. Der T-Stoff war der gefährlichere, weil er sofort in Flammen aufging, sobald er mit organischen Stoffen in Berührung kam.
Allein die Lagerung und Behandlung dieser Treibstoffe sprach sehr dagegen, daß die "Komet" je ein einsatzreifes Waffensystem der Luftwaffe werden konnte. T-Stoff durfte nur in Aluminiumbehältern, C-Stoff nur in Glasbehältern, gelagert werden, alles andere wurde zerfressen oder fing sofort Feuer. Schon das Anlassen das Triebwerks, das mit so mörderischen Flüssigkeiten betankt wurde, mußte ein entnervender Augenblick gewesen sein. Und wirklich explodierten einige "Komet" entweder beim Start, oder kurz danach.
Mano Ziegler, einer der wenigen "Komet"- Flugzeugführer, der noch lebt, schrieb über den Ausgang eines Triebwerkausfalls beim Start, den er selbst beobachtete:

»Bangen Blickes folgten unsere Augen der Maschine, die jetzt weit hinten am Platz den Boden berührte, sich noch einmal aufbäumte zu einem weiten Luftsprung, dann wie ein Stein aus dem Himmel fiel, in das unebene, bewachsene Gelände rutschte und sich wenig später überschlug - und dann schossen fast gleichzeitig eine weiße Stichflamme und ein Wolkenpilz ... hoch.«


Prototyp Me 163 A (links) im Vergleich mit einer Me 163 "Komet" Im Jagdeinsatz gegen die US-Bomber mit ihren begleiteten Fernjägern wurden die Mängel der Me 163 "Komet" erst richtig deutlich. Während des Angriffs auf die B-17 "Flying Fortress" und die B-24 "Liberator" konnten sie selbst von den Begleitjägern "Mustang" und "Thunderbolt" angegriffen werden. Um dies zu verhindern, mußte die "Komet" mit über 930 km/h angreifen. Das bedeutete, daß sie gegenüber den Bombern einen Fahrtüberschuß von fast 550 km/h hatte. Wegen der hohen Geschwindigkeit mußte der Angriff bei mindestens 200 Meter vor dem Ziel abgebrochen werden. Da aber die wirksame Reichweite ihrer 30-mm-Bordkanone bei 600 m lag, hatten die Raketenjäger nur 2-3 Sekunden Zeit für das eigentliche Wirkungsfeuer. Nur die allererfahrendsten Flugzeugführer konnten hoffen, Treffer anzubringen. Der erfolgreichste Tag, der im Jagdgeschwader 400 zusammengefaßten Flugzeuge, war der 24. August 1944, als eine Kette Me 163 drei B-17 Abschüsse melden konnte.
In den letzten Tagen des Krieges brauchten die überlebenden Flugzeugführer des JG 400 die geringen Treibstoffbestände auf. Im März 1945 flogen täglich 2000 alliierte Bomber ihre Tagesangriffe auf das Reichsgebiet. Doch keine Luftwaffeneinheit konnte noch etwas dagegen tun. Am 8. Mai 1945 ergaben sich die Reste des JG 400 den britischen Streitkräften. Die 48 verbliebenen "Komet" wurden unter den Siegern aufgeteilt. Von 350, die gebaut worden waren, sind zehn noch heute in Museen erhalten geblieben.

Technische Daten: Messerschmitt Me 163 "Komet"
Klassifikation: einsitziger Punktabfangjäger
Spannweite: 9,33 m
Länge: 5,85 m
Triebwerke: ein Walther HWK 509A-2 (mit 1.700 kp Schub)
Bewaffnung: zwei 30 mm Kanonen
Gewicht: 4.300 kg
Geschwindigkeit: ca. 970 km/h (in 10.000 m Höhe)
Einsatzreichweite: ca. 80 km





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